Archive for June, 2005

Chandigarh - The City Beautiful

Sunday, June 26th, 2005


Bild: City Museum, Chandigarh, Juni 2005

“The anticipation starts as one approaches Chandigarh. One drives through the town, pat the houses spread out in the dust, endless rows of foolish confidence tricks. Then, suddenly in the distance, like an aircraft carrier floating above the flotsam and jetsam of some harbour town, there appears the Secretariat. From miles away one sees it, white in the sunlight, racing along with the car, riding high above the rows of houses that make up the foreground. Gradually this proscenium clears, the other two actors — the Assembly and the High Court – in the melodrama appear, and all three ride together against the grey-blue foothills of the Himalaya. Ride together, swinging sometimes behind enormous banks of earth. One approaches closer and closer, and the bleached whiteness deepens slowly into the grey-green of concrete, the simple outlines of the masses dissolve into an astonishing, voluptuous complexity of shadow and substance.”

Charles Correa

Eine neue Stadt im Punjab zu gründen war leicht zu rechtfertigen, hatte sich doch die Zahl der Einwohner in den verbleibenden indischen Städten nach der Teilung Indiens und Pakistans durch Migration verdoppelt. Zudem war die Infrastruktur in diesen Städten verheerend. Es fehlte an allen nötigen Versorgungseinrichtungen.

Chandigarh war von Anfang an ein Symbol für den Neubeginn des unabhängigen Indiens:

“Let this be a new town, symbolic of the freedom of India, unfettered by the traditions of the past, an expression of the nation’s faith in the future …”

Jawaharlal Nehru, when he visited the project on April 2, 1952

Aus Mangel an ausgebildeten indischen Stadtplanern fiel die Entscheidung für die Planung der Stadt 1949 auf den Amerikaner Albert Mayer. Sein Auftrag war es einen Masterplan für eine Stadt mit einer halben Million Menschen aufzustellen, sowie für die Erstellung detaillierter Baupläne für den Capitol Complex, City Center und anderer wichtiger Gebäude. Meyers Planung war inspiriert durch die englische „Garden City Movement“ von Ebenezer Howard, die autarke Städte von eingeschränkter Größe, umgebend von einem Grünstreifen vorsah und so eine Mischung aus Stadt und Land hervorbrachte.

(more…)

Chandigarh - politisch

Sunday, June 26th, 2005

1947 werden Indien und Pakistan aus der britischen Kolonialherrschaft in die Selbständigkeit entlassen. Es kommt zu einer neuen Grenzziehung zwischen den beiden Staaten wobei die ehemalige Hauptstadt der nordwestlichen Region Lahore an Pakistan fällt. Für den indischen Bundestaat Punjab wird ein neuer Hauptsitz nahe des Dorfes Chandigarh geschaffen. Der Dorfname wird auf die neue Stadt übertragen.
1966 wird der südliche, hindisprechenden Teil des Punjabs abgespalten. Haryana wird eigener Bundesstaat erhält jedoch keine neue Hauptstadt, stattdessen ist Chandigarh nun Regierungssitz für beide Staaten. Chandigarh selbst gehört jedoch zu keinem der beiden sondern wird als Unionsterritorium von Delhi verwaltet.

Missing in Chandigarh

Sunday, June 26th, 2005

Mein Architektur-Trip nach Chandigarh stand unter keinem guten Stern. Die Zugkarten waren angeblich ausverkauft. Eine ominöse Agentur bot mir dann aber doch ein Touristenticket für über 90 $ an, was augenscheinlich Wucher war. Ich hab mich dennoch überreden lassen ein Cab mit Fahrer zu nehmen, da der Preis vergleichbar war mit denen unseren vorigen Trips.
Etwa nach einer Stunde bekam der Fahrer plötzlich Schmerzen in der Magengegend. Er fuhr jetzt nur noch sehr langsam und hielt ständig an. Ich befürchtet nie anzukommen. Nach etwa 6 Stunden Fahrt sind wir in brütender Mittagssonne angekommen. Ich entließ den Fahrer, damit er zum Arzt fahren konnte und verabredete mich um 5 Uhr an gleicher Stelle.
Sunjay, ein Indischer Freund mit dem ich mich am High Court treffen wollte, war nicht da, auch sein Handy war abgestellt. Ich suchte nach einer Abkühlung. Überraschenderweise ließ man mich in den High Court hinein. Ich mußte jedoch meine Kamera und mein Handy abgeben. Die Kantine hatte wegen der Sommerpause geschlossen. Ich hatte zwar die Möglichkeit mir den ganzen Komplex anzuschauen, stand aber bei über 40 Grad im Schatten kurz vorm Kreislaufkollaps außerdem konnte Sunjay mich nicht erreichen. Also beschloß ich draußen zu warten. Nach etwa einer Stunde kam er dann. Wir fuhren in ein Lokal mit Aircondition. Essen konnte ich nicht, da mir mittlerweile auch übel war. Danach schauten wir uns das City Museum an. Ich ließ mich von Sunjay überzeugen, dass es besser ist ein Hotelzimmer zu nehmen und erst am nächsten Morgen mit dem Zug zurückzufahren. Ich konnte den Fahrer nicht anrufen, weil er aus Geldspargründen sein Handy ausgeschaltet ließ. Er hatte zwar meine Nummer, rief aber nicht an.
Obgleich es mir immer noch nicht besonders gut ging, ließ ich mich überreden mir wenigstens Rock Garden anzuschauen. Rock Garden ist ein in mühsamer Kleinstarbeit aus Abfällen, wie alten Geschirr, Schmuck, Steckdosen und Ähnlichen angelegte Parklandschaft. Am Ausgang wurden wir von Polizisten abgefangen. Die wissen wollten, ob ich die Ausländerin wär, die gesucht wird. Der Fahrer hatte mich tatsächlich vermißt gemeldet. Wir fuhren zur Polizeistation und ich berichtete, dass ich kein Vertrauen zu dem Fahrer hab und deshalb nicht mit ihm nachts zurückfahren wollte. Die Jungs rechneten dann noch aus, dass er mir eh zuviel Geld berechnet hatte und der Polizei Chef ließ ihn Geld besorgen, damit er mir das zurückzahlen konnte. Ich sollte einen Letter of Complaint verfassen, war aber nicht in der Lage, statt dessen suchte ich die Toilette auf um meinen ohnehin schon spärlichen Mageninhalt dort zu entleeren. Ein Polizist zitierte dann aus dem Sanskrit: “Our guests are like gods you should treat them with respect”. Mit den Worten wurde ich wirklich wie ein VIP behandelt. Man ließ extra eine Flasche Pepsi holen und ich bekam eine Stadtrundfahrt im Polizeiauto. Leider war es jetzt dunkel und von der Architektur war nicht mehr viel zu erkennen.
Am nächsten morgen fuhr ich mit dem Zug erster Klasse incl. Frühstück zurück nach Delhi.
Das Ticket kostete rund 500 Rupees (ca. 9 Euro).

Gestern abend in Old Delhi

Sunday, June 26th, 2005

Chandni Chowk ist die Hauptstrasse von Old Delhi. Ich hatte mich von einem Rikschafahrer zu einer Tour durch die Altstadt ueberreden lassen und es hat sich wirklich gelohnt. Wie immer in Indien: Unglaublich viele Leute machen unglaublich viel Action.

Ausflug nach Jaipur

Saturday, June 25th, 2005

Letztes Wochenende sind wir nach Jaipur gefahren. Die Fuelle an Eindruecken ist immer schwer zu beschreiben. Ich versuchs mal mit einem Lonely Planet Zitat: “There are few countries on earth with the enourmous variety that India has to offer. It’s a place that somehow gets into your blood. Love it or hate it you can never ignore India. It’s not an easy country to handle, and more than a few visitors are only too happy to finally get on their flight and leave the place. Yet a year later they’ll be hankering to get back. India is not a place you simply “see”; it’s a total experience, an assault on the senses, a place you’ll never forget.”


Sonja im Zentrum von Jaipur. 40 Grad.


Unser Hotel die Oase der Ruhe im Chaos. Man kann in den Sesseln im Innenhof entspannen. Im ersten Stock wohnt noch immer der Maharadscha. An der Wand Bilder von ihm (oder seinem Vater?) mit der Queen. In der Bibliothek verstaubte Buecher aus Commonwealth Zeiten. Man kann sich so ein bischen vorstellen wie das damals gewesen sein muss.

Mit den Kollegen in der Disco

Saturday, June 25th, 2005

Unser Team Event. Ist schon ein paar Tage her aber war ein Erlebnis. Ort des Geschehens war so ne Mischung aus Restaurant und Disco. Da stehen die Inder anscheinend drauf. Abendessen bei 300 Dezibel. Am Anfang lief so 80er Amerikamusik (so a la Summer of 69); das wurde dann schrittweise immer tanzgeeigneter und nach kurzer Zeit war dann unser gesamtes Team auf der Tanzflaeche. Und ich uebertreibe nicht wenn ich sage: Alle sind ausgerastet. Und ich meine das volle Programm, Luftgitarre, auf der Tanzflaeche knien, die Arme ueber dem Kopf wirbeln, die Haare woodstockmaessig schuetteln - so was hab ich seit meiner Abiabschlussfete nicht gesehen. Wir mussten dann auch auf die Tanzflaeche und haben unser Bestes gegeben :-)
Spaeter hab ich dann noch mit paar Kollegen ueber ihren Alltag gequatscht. Im taeglichen Umgang merkt man den kulturellen Unterschied nicht so sehr. Aber unter der Oberflaeche ist dann schon vieles ganz anders. “Arranged marriages” sind auch fuer meine Kollegen was ganz normales. Mit 30 wird geheiratet, wer das nicht tut kann sich jedes Wochenende von den Verwandten Fragen anhoeren. Wer noch nicht verheiratet ist lebt bei den Eltern.

@Work in Delhi

Saturday, June 25th, 2005


Endlich Wochenende. Die Kollegen sind zum Tiger Sanctuary gefahren. Das ist ein Naturreservat ungefaehr 7 Stunden von Delhi entfernt. Gestern abend sind sie voller Vorfreude in den Zug gestiegen. Ich konnte nicht ganz nachvollziehen was genau so toll daran sein soll. Nichts gegen Tiger und andere Tiere und Dschungel, aber campen bei ueber 40 Grad im Schatten? Kurz und gut ich bin in Delhi geblieben und hab Zeit zum bloggen.
Arbeiten in Delhi ist eigentlich ganz cool. Wir sind Teil eines Teams von 25 Leuten. Die Inder sind unheimlich nett und gastfreundlich und die Vibes sind sehr gut. Das Niveau ist sehr hoch und das Projekt ist ziemlich gut organisiert. Interessant zu sehen wie ein Team von dieser Groesse gemanaged wird.

An allen Waenden haengen Whiteboards mit Low Level Plans und jeden morgen gibts es die Stand-Up Meetings fuer alle Teams. An den Whiteboards kann man jederzeit sehen woran jeder gerade arbeitet. Extrem pfiffig muss ich sagen, da ist Sapient schon beeindruckend.
Die Kollegen hier haben aber zum Teil surreale Arbeitszeiten. Vor 7 geht hier niemand heim. Um 8 sind fast alle noch da und es wird Pizza bestellt, um 1 Uhr nachts sind immernoch Leute da. Jeff meinte letzte Woche er muss das jetzt auch mal machen. Er hat gemeint selbst um drei Uhr nachts waren noch Kollegen im Buero.

Taj Mahal und Agra

Tuesday, June 14th, 2005


Letztes Wochenende sind wir nach Agra gefahren. Taj Mahal besichtigen. War wirklich beindruckend.


Am naechsten Tag haben wir Agra besichtigt. War ganzschoen viel action. Alle 5 Minuten kam irgendein Rikschafahrer an der was uns wollte, tausend Leute unterwegs, um die 40 Grad, chaotischer Verkehr, dann laufen Kuehe, Rinder und Schweine durch die Gegend und tausend Dinge passieren gleichzeitig.


Wir sind dann noch zu einem benachbarten Ort gefahren. Schreib ich dann spaeter mehr zu.

Globalisierung oder mein Sonntag im Hotel

Sunday, June 5th, 2005

Heute war ich immer noch angeschlagen von meinem 40-Grad-Plus-Diverse-Tabletten-Erlebnis und hab den Tag mit Relaxen verbracht. Ich hab das Internet zum Thema Globalisierung und Indien durchforstet.

Hier erstmal der positive Blick vom NYT Kolumnisten und Globalisierungsfan T. Friedman:

How did India, in 15 years, go from being a synonym for massive poverty to the brainy country that is going to take all our best jobs? Answer: good timing, hard work, talent and luck.

Dann hab ich noch diesen interessanten Artikel gefunden der das Thema etwas differenzierter beleuchtet:

People are generally ignorant of the fact that there are two distinct Indias. Sharad Joshi distinguised them by calling the urban, rich, educated one India and the rural, poor, uneducated one Bharat. I will borrow that nomenclature. India is small, say about 100 million people at most. India has programmers and BPO call centers and cars and Baristas and McDonalds. Indians get educated at IITs and IIMs and travel abroad and talk to each other in Hindi sentences such as, “mera sleep bahut disturbed ho raha hai these days.”

In contrast to that, Bharat is a huge country of about 900 million, most of whom live in rural areas. They are largely illiterate, poor, have little education, don’t speak in English, do manual labor in farms, wouldn’t know what to do with a computer even if one came and bit them on their skinny behinds, have no illusions about anything shining and are generally ignorant about feeling good.

Erstes Wochenende in Delhi

Sunday, June 5th, 2005

Also fangen wir gleich mal mit dem entscheidenden Punkt an: Es ist wahnsinnig heiss! So um die 40 Grad. Gestern nachmittag sind wir zum Red Fort gefahren. Unser Fahrer konnte am Haupteingang nicht halten und hat uns paar hundert Meter entfernt rausgelassen. Als wir dann endlich im Fort drin waren war die Sache fuer mich erstmal gelaufen. Ich dachte ja Hitze kenn ich ja aus Miami aber ich war eh nicht ganz fit und dann die komischen Malariatabletten usw. Auf jeden Fall war ich voellig fertig. (ich bin der Typ unten rechts auf dem Bild der da auf dem Bordstein sitzt). Ich hab mich in so einem Imbiss hingesetzt und die naechsten anderthalb Stunden damit verbracht 2 Liter Wasser zu trinken. Ich war fertig und an aufstehen war nicht zu denken. War aber doch ganz nett weil ich mit paar Indern ins Gespraech gekommen bin.

So gegen sechs hab ich mich langsam besser gefuehlt und die Temperaturen sind endlich etwas angenehmer geworden. Ich hab dann Jeff angerufen der die ganze Zeit wie wild photographiert hatte (uebrigens ich klaue grad alle meine Bilder von Jeffs Blog weil ich meine Kamera vergessen hatte) und wir haben das Fort erkundet. War wirklich faszinierend.